flaschenpost-leipzig
Volkmar Wirth (ehemals Wirth-Kresse)

Freundliche Respektlosigkeiten

Die 20. Kalenderwoche 2019
           Am Freitag beriet der Bundesrat auf Antrag einiger Länder ein striktes Messerverbot in neuralgischen Zonen der Innenstädte. Da noch keine gesicherten Studien zur Notwendigkeit eines Verbots vorliegen, kündigte der Bundesrat nun an, von unabhängigen Experten Stichproben durchführen zu lassen.

           In Israel liefen die Vorrunden zum Eurovision Song Contest auf Hochtouren. Während die sanglichen Darbietungen der Künstler sauber über die Bühne von Tel Aviv gingen, gab es noch Klärungsbedarf mit der Pyrotechnik. Hierfür stehe man aber für das Finale, so die Veranstalter, mit dem palästinensischen Dienstleister im Dialog. 

           Um das Miteinander in der Koalition zu verbessern, lud die Umweltministerin S. Schulze zum Petersberger Klimadialog. Dabei entdeckte die GroKo ihr Herz für die Paketzusteller. Um diese zu entlasten will man ab sofort sämtliche Waren des täglichen Bedarfs, also Tabak und Alkohol, nicht mehr bestellen und sich schnöde liefern lassen, sondern im Supermarkt eigenhändig erwerben.

           Wie man Zukünftiges mit Altbewährten verknüpft, bewies der Europäische Gerichtshof. Dieser entschied, dass sämtliche Arbeitgeber ihre im Keller verstaubten Stechuhren wieder aktivieren sollen. 

           Zur Eröffnung der Filmfestspiele in Cannes lief eine Komödie, die von vielen als cineastischer Kommentar zum Erstarken populistischer Meinungen angesehen wurde. In dem Streifen von J. Jarmusch nehmen lange Totgeglaubte, also Zombies Besitz von einer Stadt.
18.05.2019; 17:30 Uhr


Die 19. Kalenderwoche 2019
           Nicht genug, dass der Klimawandel einen ein schlechtes Gewissen einredet, schließlich will man auf das samstägliche Brötchenholen mit dem Pkw nur ungern verzichten. Seit Montag gesellte sich zur neuzeitlichen Schuldfrage auch noch das Artensterben, wobei keiner auf die Schnelle sagen konnte, weshalb er Mücken und andere Plagegeister vermissen sollte.

           Nachdem bundesweit die Abiturienten jeden Freitag dem Unterricht fernblieben, um protestierend auf die Straße zu gehen, wunderten sich die Schüler jetzt, dass sie der Mathe-Prüfung nicht gewachsen waren.

           Um den ins Schleppen geratenen Europa-Wahlkampf ein wenig Pepp zu verleihen, tourten die glühenden Vertreter des Kontinents Prinz Charles nebst Herzogin Camilla durch einige Bundesländer. Viele wahlunentschiedene Bürger begrüßten die königliche Hoheit und nahmen gierig deren profunde Tipps für die anstehende Wahl mit.

           Letzte Woche trat ein spürbares Plus in den Lohntüten der Maler in Kraft. Deshalb wollten die Abgeordneten des Bundestages nicht nachstehen. Magere 10.000 Euro bekommen die Politiker nun monatlich. Und während man bei den Freunden der Farben völlig uncool von Gehalt spricht, behilft man sich beim Verdienst der Bundestagsabgeordneten mit einem Begriff der bewussten Einschränkung und spricht von Diäten.  

           Für viele war der Schritt längst überfällig. Endlich hat der Außenminister H. Maas nachgezogen und J. Klopp zu seinem Vize berufen. Der Held von Liverpool, so Maas, vertrete im Ausland die deutschen Werte wie Furchtlosigkeit vor dem Feind und Kampfeswille so beispielhaft.
11.05.2019; 17:25 Uhr


Die 18. Kalenderwoche 2019
           Kaum hatte der japanische Kaiser nach dreißig Jahren seinen Platz geräumt, kamen im politischen Berlin ernsthafte Gerüchte auf, dass es die noch amtierende Kanzlerin dem Tenno gleichmachen wollte.

           Der Juso-Vorsitzende K. Kühnert überraschte mit kühnen Vorschlägen, wie die Macht des Kapitalismus zementiert werden könnte. Der Jungspund brauchte nur kurz von Enteignung zu träumen, schon stellte sich der Betriebsrat von BWM schützend vor das Konzerntor. Und weil man sich gerade so schön über Kommunisten-Kevin aufregte, gab der Rat gleich noch eine Wahlnichtempfehlung ab.

           Eine neue Studie belegte, dass die Kirchen bis 2060 die Hälfte ihrer Mitglieder verlieren werden. So war es nur logisch, dass beide großen Kirchen am Samstag noch rasch eine bundesweite Woche für das Leben starteten. Wenn schon keine neuen Mitglieder nachrücken, sollen andere sich nicht auch noch durch den schnöden Freitod ihrer Kirchensteuer entledigen.

           Der Monat Mai macht alles neu. Seit dem 1. Mai 2019 dürfen alte Antennen und defekte Lichtschalter nicht mehr in den Garten des Nachbarn geschmissen werden – sondern gehören in den Elektroschrott. Und da seit dem ersten Mai der Mindestlohn für die Maler und Lackierer angestiegen ist, kommen die 100- und 200-Euro-Scheine etwas kleiner auf den Markt. So passen die geschrumpften Geldscheine besser in die Portemonnaies der fleißigen Handwerker. 
04.05.2019; 17:35 Uhr


Die 17. Kalenderwoche 2019
           Nachdem die erste Schummelsoftware bei Elektro-Rollern entdeckt wurde, hatte Verkehrsminister A. Scheuer seinen Plan, die Roller gegen Autos mit Dieselausstoß einzutauschen, zurückgezogen.

           Der Zug, der den nordkoreanischen Präsidenten nach Russland brachte, fuhr nicht nur pünktlich im Bahnhof ein, sondern Kims Tür hielt auch unmittelbar vor dem roten Teppich. Deutsche Bahn-Chef R. Lutz meinte dazu etwas später in einem Interview, auf einen Teppich könne er getrost verzichten.

           Eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Instituts (WSI) fand völlig überraschen heraus, dass es in Deutschland weiterhin eklatante Einkommensunterschiede gibt. Daraufhin hat das nicht weniger bekannte Institut für anerkanntes Dummgerede (IfaD) angekündigt, eine Langzeituntersuchung ins Leben zu rufen, die sich mit der möglichen Eindämmung des grassierenden Studienfiebers befasst.

           Vorwürfe, sie würden den Klimawandel und damit die Erderwärmung forcieren, haben jetzt alle namhaften Hersteller von Sonnencremen vehement widersprochen. Vielmehr seien die Landwirte Schuld an der Misere, würden sie doch bei Ernteausfällen von den staatlichen sowie stattlichen Unterstützungen profitieren.

           Kurz vor ihrer Vermählung informierten die Deutsche Bank und die Commerzbank die bereits eingeladenen Gäste, dass man beim Zocken doch weiterhin getrennte Wege gehen will.
27.04.2019; 17:30 Uhr


Die 16. Kalenderwoche 2019
           Bei jeder Wahl wächst die Zahl der Nichtwähler. Um dem Boom einzudämmen, wurden jetzt Menschen mit Betreuung, immerhin ca. 80.000, bereits zu den Europa-Wahlen im Mai zugelassen.

           Bekanntermaßen reg(ag)iert der amerikanische Präsident enorm emphatisch. Stets ist D. Trump bemüht, der Welt tröstende Worte auf den Weg zu geben. Am Montag trat er als Experte für die Bekämpfung von Großbränden auf. Was die französischen Feuerwehrleute zu den wertvollen Tipps sagten, ging in den Fluten des Löschwassers unter.

           Wenige Tage vor dem Tag des Deutschen Bieres am 23.04.2019 trat die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen als ultimative Spaßbremse auf den Plan. Mit jährlich 101 Liter Bier, die der deutsche Bürger in einem Jahr süffelt, hätte er ein massives Alkoholproblem. Eine Frage ließ die Hauptstelle dennoch offen: Wäre das Problem nicht etwa größer, wenn der Michel den goldenen Gerstensaft absetzen würde.

           Vor ihrer Heiligsprechung traf sich der Papst mit der zopftragenden Greta. Bis dahin konnte das katholische Oberhaupt nicht glauben, dass ein 16-Jähriges Mädchen der Welt derart den Kopf verdreht.

           Pünktlich zur K-Woche beschloss das griechische Parlament, auf die Forderung der deutschen Regierung nach Reparationszahlungen für die zig Rettungspakete, die seit 2010 gegen die Schuldenkrise geschnürt wurden, einzugehen.
20.04.2019; 18:32 Uhr


Die 15. Kalenderwoche 2019
          
Aktivisten der deutschen "Fridays for Future" sagten bei einer der ersten Pressekonferenzen am Montag, dass sie so lange der Schule fernbleiben wollen, bis sich dort endlich das Klima verbessert habe. Ständig verpesteten die Lehrer mit ihren billigen Deos und ihrer schlechten Laune die Luft, auch sei der Ausstoß von Schweiß und Tränen der Schüler bei unangekündigten Klausuren weit über dem zugelassenen Höchstwert.

           Der EU gelang es weiterhin nicht, sich auf eine saubere Loslösung von Großbritannien zu einigen. Deshalb gab es eine erneute Sitzung in Brüssel. Dort zeigte die britische Regierungschefin T. May den EU-Vertreter die letztmöglichen Optionen auf, wie sich Brüssel von der Insel in dem vereinbarten Zeitrahmen von zehn Jahren verabschieden könnte.

           Bei der Verleihung des besten Computerspiels des Jahres gedachten die Anwesenden in Berlin dem Klassiker ‚Nowitziki‘. Das in Würzburg entwickelte Spiel der ersten Stunde hat vor allem in den USA seine treuen Liebhaber. Noch heute messen sich dort Millionen Gamer ausgiebig an dem gehobenen Strategiespiel.

           Zum sexuellen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche meldete sich Papst a.D. zu Wort. Den Grund der Verfehlungen sieht der Geistliche, der auch unter seinem Decknamen bekannte Benedikt XVI. bekannt ist, eindeutig in den Achtundsechzigern. Er könne sich gut an tagelangen Orgien erinnern, bei denen er kräftig mitmischte. Selbst heute würde ihm manch innige Begegnung von damals sein keusches Dasein versüßen.
13.04.2019; 17:27 Uhr


Die 14. Kalenderwoche 2019
           Nach sieben freudlosen Jahren darf Deutschland wieder den Vorsitz des UN-Sicherheitsrates übernehmen. „Endlich!“ wird sich der Außenminister H. Maas gedacht haben. Denn in Fragen der Sicherheit kann Deutschland allemal von den anderen Ländern lernen. Allein die Pannenlandung des Regierungsfliegers in New York zeigte, dass in den Reifen noch reichlich Platz für frische Luft ist.

           Nach diversen Eigentoren trat der DFD-Präsident R. Grindel von seinem Amt zurück. Schließlich habe er unlängst, so der Präsident, von einem ukrainischen Oligarchen eine Uhr erhalten. Mit dem Geschenk am Arm wusste Grindel: Die Zeit ist reif.

           Deutschlands bekannteste Kunstexpertin A. Merkel ließ in ihrem Büro zwei Bilder abnehmen. Bisher gaben die beiden Gemälde von E. Nolde den dezenten Hintergrund bei Gesprächen mit anderen ausländischen Kunstexperten. Inzwischen sei man dahinter gekommen, dass der Maler ein glühender Verehrer eines anderen, eher verhinderten Malers aus Österreich war. Ersten Verlautbarungen, wonach die Bilder verkauft und der Erlös in das Erstarken der bundesdeutschen Wehrkraft fließen soll, wurden dementiert.

           B. Obama, gefragter Autor und Redner, trat in Köln vor mehreren tausend Menschen auf. In seiner lockeren und herzerfrischenden Art legte der nette Herr aus den USA in zwei kurzweiligen Stunden sein Wahlprogramm für die nächste Bundestagswahl vor. Einen Tag später gab ihm Bundeskanzlerin A. Merkel in einem vertraulichen Gespräch ein paar wichtige Tipps in punkto Körpersprache.
06.04.2019, 17:30 Uhr


Die 13. Kalenderwoche 2019
           Gleich zu Beginn der Woche gab es zwei Aufreger: Das Ministerium von A. Scheuer bewarb teure Spitzendessous. Seltsam dabei war, dass die spärlich bekleideten Models auf den Plakaten Helme trugen. Kritik handelten sich Fliegenexperte K. Lauterbach und Gesundheitsminister J. Spahn ein, die gefordert hatten, dass sich ab sofort alle Politiker gegen den immer häufiger auftretenden PovuIde-Bazillus (Posaunen-von-unreifen-Ideen) impfen lassen.

           D. Bohlen, Werbe-Titan für ein bekanntes Nobelmöbelhaus, kündigte eine riesige Verkaufs-Tournee an. Schränke, Tische und Liegen, die ‚von Bohlen empfohlen‘ werden, finden gegen das Vorsingen zweier deutscher Volkslieder ihre neuen Besitzer.

           Als unschlagbare Spaßbremse zeigte sich einmal mehr das EU-Parlament. Ab 2021 sollen Teller und Gabeln aus Plastik der Vergangenheit angehören. Selbst Strohalme und kleine Löffel kamen auf den Index. Da jedoch unklar blieb, wodurch die praktischen Helfer ersetzt werden sollen, bereitet das Parlament nun mit Hochdruck ein Verbot all der beliebten Freiluftveranstaltungen wie Picknick oder Lagerfeuer vor.

           Zum Wochenausklang erhielt die Findungskommission ‚Neue Nationalhymne‘ einen wichtigen Impuls von der Gruppe Rammstein. Viele Mitglieder der parteiübergreifenden Kommission sprachen sich bereits für Deutschland als neue Hymne aus.
30.03.2019; 17:30 Uhr


Die 12. Kalenderwoche 2019
           Die Woche begann mit zwei Nachrichten für Freunde klarer Verhältnisse. Während die Deutsche Bank und die Commerzbank bekannt gaben, dass sie zukünftig als eine Gang mit den Einlagen ihrer Kunden spekulieren werden, machte der Sonnyboy unter den Wettpaten, Th. Gottschalk, die Trennung von seiner Frau Thea publik.

           T. Schäfer-Gümbel, Landeschef der hessischen SPD, gab am Dienstag seinen Rückzug von allen Ämtern bekannt. Er will sich fortan, versicherte er, seiner über die Landesgrenzen hinweg bekannte Stiftung „Verlieren, aber richtig“ widmen. Schließlich sei er dreimal angetreten, um Ministerpräsident von Hessen zu werden. Obschon er ebenso oft seinen Gegnern unterlag, behielt er seinen Posten.

           Pünktlich zum Frühlingsbeginn gab der Bundesfinanzminister O. Scholz den Haushalt für das nächste Jahr bekannt. Da erneut keine weiteren Schulden geplant sind, werden einige Ministerien Einsparungen hinnehmen müssen. Daraufhin stellte der Minister für winterliche Angelegenheiten klar, dass er in diesem Fall auch für nächstes Jahr keinen Schnee versprechen kann. Und selbst die Ministerin für Sommer hielt sich nicht mit Kritik zurück. Sie nahm die Kürzungen für ihr Ressort zum Anlass, um eine noch längere Hitzeperiode zu garantieren.

           Am Ende der Woche trafen sich im Bundestag die Vertreter des Volkes, um fraktionsübergreifend wieder einmal ausgiebig Zeitung zu lesen, die Versteigerung des 5G-Netzes per Smartphone zu verfolgen oder sich über die Kleiderordnung diverser Frischlinge auszutauschen. Dass hin und wieder ihr angestrengtes Tun durch Leute unterbrochen wurde, die vorn am Pult irgendwas von ihren Zetteln ablasen, nahm man gelassen, wenn auch mit unverhohlenem Desinteresse hin.
23.03.2019; 17:33 Uhr


Die 11. Kalenderwoche 2019
           Am Montag erwischte S. Wagenknecht ihre Parteigenossen mit der Nachricht, nicht mehr als Kanzlerkandidatin antreten zu wollen und A. Bouteflika, der Dauerpräsident von Algerien, ließ überraschend mitteilen, nun doch sitzen zu bleiben.

           Eine Woche tagte die Deutsche Bischofkonferenz in Lingen. Bereits am Dienstag beschlossen die Geistlichen, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Also werden ab sofort die Bischöfe neben einer Sekretärin und Köchin mindestens eine weitere Frau für den täglichen Bedarf in ihrem Haushalt beschäftigen.

           Nachdem fasst alle deutschen Minister in den letzten Wochen in Genuss kamen, dass ihr Flugzeug wegen technischen Problemen am Boden blieb, strich die Bundesregierung kurzerhand sämtliche Flüge vom Typ Boeing 787 Max 8.

           Der Stasi-Beauftrage R. Jahn dankte dem Bundesarchiv für die dreißigjährige Leihgabe der Dokumente und kündigte gleichzeitig an, dass die Unterlagen wieder zurück an den Herkunftsort gehen.

           Nachdem das britische Parlament wiederholt den Stecker nicht gezogen bekam, schaltete sich am Donnerstag endlich der amerikanische Präsident ein. Um den EU-Austritt will er sich jetzt kümmern. „Mein Deal wird ein sehr guter sein“, versicherte D. Trump.
16.03.2019; 17:08 Uhr


Die 10. Kalenderwoche 2019
           Einen wahren Bennet-Sturm der Entrüstung erntete die CDU-Vorsitzende A. Kramp-Karrenbauer mit ihrer spöttischen Bemerkung zum dritten Geschlecht zu Wochenanfang. Selbst an* Karneval sollte man doch bitte sachlich bleiben, schimpfte der SPD-Fliegenexperte K. Lauterbach. Und weiter: „Aber vielleicht redet man so, wenn die Geldbörse nur für ein Kassengebiss reicht.“  

           Die Republik erlebte gerade den Höhepunkt des närrischen Treibens, da gab der Bundestrainer J. Löw bekannt, die nächsten Fußballspiele ohne drei Stammspieler verlieren zu wollen.

           Der kecke Verkleidung liebende CSU-Vorsitzende M. Söder trat beim Aschermittwoch in Passau als R. Habeck ans Mikrofon. Offenes Hemd und ein Dreitagebart genügten diesmal zum überzeugenden Mummenschanz.

           In einem Gespräch meinte der Unionsfraktionsvorsitzende R. Brinkhaus, dass er sich einen muslimischen Kanzler vorstellen könnte. Eine Vertreterin einer anderen Minderheit, so der Politiker weiter, war schließlich auch in den letzten Jahren Kanzlerin.

           Am Ende der Woche musste sich der rührige Jurist L. Flöther für seine Vergütung beim Abwickeln von Air Berlin verteidigen. Die Reparatur des Segelschulschiffs sollte 15 Millionen kosten, inzwischen ist man bei einer Summe von 135 Millionen angelangt. Da sind seine 22 Millionen, die er erhält, damit die restlichen Flieger ein paar neue Nester bekommen, lächerliche Peanuts.

*) bekanntlich wurde Herr Lauterbach im Westen Deutschlands sozialisiert, allein dies rechtfertigt das für den Osten völlig atypische ‚an‘
09.03.2019; 17:10 Uhr


Die 9. Kalenderwoche 2019
           Zu Wochenbeginn musste sich der Bundespräsident rechtfertigen. Viele hatten sein Glückwunschtelegramm an die iranische Führung zum 40. Jahrestag der Revolution kritisiert. Natürlich würden im Iran die Menschenrechte mit Füßen getreten, so der Bundespräsident. Diplomatie zeichnet sich nun einmal darin aus, selbst dem Teufel alles Gute zum Geburtstag zu wünschen. Nur so bliebe man mit ihm im Austausch und würde die Größe der Schuhe, für eine etwaige Lieferung, erfahren.

           Wenig später meinte F.-W. Steinmeier bei einer kuschligen Bürgerrunde in Halle, dass wir runter müssten von dem Gefühl, nur die eigene Meinung sei richtig, denn auch die des Anderen könne falsch sein.

           Am Dienstag urteilte das Verwaltungsgericht Köln, dass die AfD den Bundesverfassungsschutz nicht als ‚Prüffall‘ bezeichnen darf.

           Wenn auch die einst versprochenen blühenden Landschaften in manchen östlichen Regionen noch auf den richtigen Dünger warten, verbuchten Die Grünen letztes Jahr gerade im Osten einen beispiellosen Mitgliederzuwachs.

           Zu Wochenmitte trafen sich zwei Präsidenten in Hanoi. Nach einem gemeinsamen Essen gingen beide gemeinsam zum Friseur und ließen sich die Haare richten. Mit ihrem Treffen hätten sie, urteilten die Landesfürsten bei ihrer vorzeitigen Heimreise, den Weltfrieden entscheidend marginalisiert und die nukleare Bedrohung vertieft.

           Während zu Wochenausklang viele Schüler auf Hamburgs Straßen gingen, um für einen besseren Klimaschutz zu protestieren, stritten sich in Berlin Politiker die Köpfe heiß, ob man die Aufrichtigkeit der Mädchen und Jungen mit schlechten Noten ahnden oder deren Schulschwänzen belobigen sollte.
02.03.2019; 17:37 Uhr


Die 8. Kalenderwoche 2019
           Die sächsische AfD-Fraktion zeigte sich über den Landtagspräsidenten des Freistaates M. Rößler erstaunt. Zu Wochenbeginn hatte dieser zu Protokoll gegeben, dass ein Wahlkampfauftritt der Bundeskanzlerin Sachsen nicht helfen würde. Uns würde ein solcher Auftritt vor der bevorstehenden Landtagswahl mit Sicherheit helfen, intervenierte die Fraktion der AfD.

           Am Dienstag kam aus der Landesregierung von Baden-Württemberg die Information, dass man ab sofort alles tun wird, um weitere Fahrverbote in den Innenstädten zu vermeiden. Die Messstationen, hieß es, die ohnehin das Stadtbild massiv verschandeln, werden abgebaut und durch Sonnenblumen ersetzt.

           Die ARD ließ von einem Institut ein „Framing-Manual“ erstellen. Das 89 Seiten umfassende Werk soll den Redakteuren helfen, die Devise „Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD“ nie aus dem öffentlich-rechtlichen Blick zu verlieren. Darauf gab es von allen Seiten lobende Worte. Dass ein Teil vom monatlichen Rundfunkbeitrag, äh von dem „Rundfunkkapital“ eine so sinnvolle, weil nachhaltige Verwendung fand, hieß es unisono, sei eine tolle Sache.

           Kaum hatte am Mittwoch der Vermittlungsausschuss den Digitalpakt auf den Weg gebracht und einen Tag später der Bundestag der Novelle zugestimmt, meldete sich der amerikanische Präsident. „Fünf Milliarden für eine Digitalmauer“, schrieb Trump, „was für ein Deal! Angela macht keinen guten Job. Aber wie sie das hinbekommen hat, wow!“

           Rechtzeitig zum Parteitag der Linken strichen die Genossen eine Formulierung in einem zu beschließenden Grundsatzpapier, mit der sie sich als eine undemokratische und neoliberale Vereinigung bezeichnen wollten.
23.02.2017; 17:41 Uhr


Die 7. Kalenderwoche 2019
           Zu Beginn der Woche bearbeiteten die beiden großen Volksparteien ihre Traumatas. Die SPD ließ Hartz IV hinter sich und erfreute sich an der Wortschöpfung Bürgergeld, während sich die CDU bei einem Werkstattgespräch darüber austauschte, welche handwerklichen Fehler ihnen bei der Grenzöffnung von 2015 unterliefen.

           Am Dienstag rechtfertigte U. v. d. Leyen, Bundesverteidigungsministerin, die Meldung, dass jeder zwölfte Rekrut in der Truppe minderjährig ist. Es sei doch allemal besser, so die Ministerin, die Rabauken zeitig genug in eine Uniform zu stecken, als das die Bande weiter vor ihren Ballerspielen abhängt und sich von Pizza und Cola ernährt.

           Während zu Wochenmitte viele Lehrer ihre Arbeit niederlegten und für mehr Kohle streikten, gingen bundesweit erneut Schüler auf die Straße, um für ein besseres Klima und einen schnelleren Kohleausstieg zu protestieren. Dass beide Lager nächste Woche den Vermittlungsausschuss anrufen werden, wurde indes noch nicht bestätigt.

            Der ehemalige Innenminister Th. de Maizière, anerkennend auch Büroklammer gerufen, stellte in Berlin sein neues Buch vor. Unterstützt wurde der Wahl-Sachse dabei von seinem Kollegen und Finanzminister O. Scholz, den Freunde gern Scholzomat nennen. Entgegen seiner jetzigen Tätigkeiten, dem Einkaufen und Saubermachen, um sich nach seiner politischen Laufbahn wieder eine gewisse Alltagstauglichkeit anzutrainieren, nannte der schreibende Ex-Minister seinen Schmöker „Regieren“. Die Ehefrau von de Maizière wehrte im Anschluss der Lesung mögliche Befürchtungen rasch ab. Mit dem Buchtitel, der gelinde gesagt ein verkaufsfördernder Kracher ist, könne ihr Mann mitnichten seinen Stand daheim meinen, sagte sie. Dort regiere jemand anders.

           Die Woche neigte sich dem Ende da verunsicherte eine Nachricht nicht nur die Baubranche: Der Sand wird knapp. Was das heißt, kann man sich an drei Fingern abzählen: Kein Projekt, dass auf Sand gebaut wird. Jedes noch so träge Getriebe läuft – ohne Sand – wie geschmiert. Und zu schlechter Letzt: Die flüssige Vitaminbombe, der Sanddornsaft, wird zum Ladenhüter. Denn wer trinkt schon Dornensaft?

16.02.2019: 17:26 Uhr


Die 6. Kalenderwoche 2019
           In Berlin und Hamburg ist jeder zweite Häftling ein Ausländer. Früher nahmen uns die Ausländer die Arbeit weg. Heute machen die einem schon den Platz im Knast streitig.

           Ihre vierte Audienz beim japanischen Kaiser nutzte die Bundeskanzlerin, um sich ein paar wertvolle Tipps für ihre spätere Tätigkeit als Monarchin zu holen.

           Für seine Ratschläge, wie man sich gegen den Krebs schützen kann, erhielt der Bundesgesundheitsminister J. Spahn viel Dank und Anerkennung. Jetzt wisse sie endlich, schrieb eine Frau, weshalb sie mit drei Jahren an Hautkrebs erkrankte: Ihre Eltern hatten sie nicht genug eingecremt.

           Wegen der Insolvenz blieben die Maschinen der Gesellschaft Germania am Boden. Der Bund könne nicht helfen, hieß es, man hätte genug mit den eigenen lahmen Flugzeugen zu tun.

            Die Bundesagrarministerin J. Klöckner von der CDU machte sich für ein Tierwohlkennzeichen bei Schweinen stark. Und die SPD-Vorsitzende A. Nahles verkündete, dass ältere Arbeitslose länger Arbeitslosengeld I beziehen sollen. Soviel christlich-soziales Engagement für bedrohte Arten gab es lange nicht.

           Der Ost-Beauftrage der Bundesregierung C. Hirte bemängelte, dass kaum Bundesbehörden einen Standort im Osten erhalten. Und wenn nach einem Standort gesucht wird, so Hirte, kommt man, wenn überhaupt, auf Leipzig. Diese Stadt kennen die westdeutschen Entscheider, immerhin komponiert im dortigen Musikviertel ein gewisser J. S. Bach seine Melodien für verschiedene Abendserien. Und der Regisseur Neo Rauch, bekannt durch den Film ‚Das Beben der anderen‘, käme schließlich ebenfalls aus Leipzig.
09.02.2019; 17:37 Uhr


Die 5. Kalenderwoche 2019
           Immerhin 2,5 Millionen Freunde verloren über Nacht ihre Freundin. Die Bundeskanzlerin A. Merkel machte den Habeck und schaltete ihren Facebook-Auftritt ab.

            Der Bundesverkehrsminister A. Scheuer gab sich überraschend als Menschenverstands-Versteher. Was war passiert? Ein Vorschlag einer Kommission forderte ein Tempolimit. Dabei ging es nicht um etwaige Entscheidungen von politischer Seite, die man gern drosseln solle. Der Vorschlag zielte auf des Deutschen liebste Bahn, jene, die gern auch für ein Zuspätkommen verantwortlich ist, dafür aber selten gescholten wird: Die Autobahn.

           Nachdem sich die Regierung auf einen Kohleausstieg geeinigt hatte, gaben sich die Ministerpräsidenten der betroffenen Länder – ob der vom Bund als Entschädigung versprochenen Finanzspritze – äußerst geschmeidig. Aus den Mondkratern würden blühende Landschaften, versicherten die übermüdeten Minister in jedes Mikrofon. Dies rief wiederum die Witwe von Altkanzler Kohl M. Kohl-Richter auf den Plan: Den Begriff von den Landschaften, die blühen, zu verwenden, welchen sie übrigens schon vor Jahren hätte schützen lassen, sei eine infame Frechheit, die sie beim Internationalen Gerichtshof anzeigen werde.

            SPD und CDU bekräftigten ihren Willen zu einer neuen Ostpolitik. Kurz vor den Landtagswahlen sollen die bewährten Rosinenbomber wieder aufsteigen, um neben West-Berlin auch darbende Provinzen im Osten aus der Luft zu versorgen. Die Bürger der westdeutschen Städte wurden bereits jetzt schon angehalten, vermehrt Pakete mit lebenswichtigen Dingen wie Schokolade und Margarine an ihre Brüder und Schwestern in Sachsen oder Sachsen-Anhalt zu schicken. Wann jedoch die hässliche Renten- und Tarifmauer fallen wird, die West und Ost trennt, konnte selbst der Ministerpräsident von Brandenburg D. Woidke nicht mit Bestimmtheit sagen.

            Die regierenden Parteien haben sich intern mit dem Bundespräsidenten darauf verständigt, alle geplanten Flüge mit Regierungsmaschinen vorerst abzusagen. Nachdem die Bundeskanzlerin vor einigen Wochen zu spät zum G20 Gipfel eintraf, der Entwicklungsminister auf halber Strecke mit dem Flugzeug liegen blieb und nun sogar der Bundespräsident in Äthiopien festsaß, wird man in den nächsten Monaten daheim bleiben und alle wichtigen Gespräche mit ausländischen Würdenträgern im Kanzleramt oder im Schloss Bellevue durchführen. Offiziell hat der Regierungssprecher die kompromisslose Stilllegung aller Pannenflieger als Deutschlands beispielhaften Beitrag zum Umweltschutz erklärt. 

            Zum Wochenende verkündete die Deutsche Bank nach Jahren der Talfahrt ein marginales Plus in ihren Haushaltsbüchern. Somit stehe das ehrwürdige Haus einer Übernahme durch ein noch solventeres Institut freundlich bereit.
02.02.2019, 17:41 Uhr


Die 4. Kalenderwoche 2019
           Der Schuldenberg vom Land Berlin schrumpfte im letzten Jahr auf lächerliche 58 Milliarden Euro. Erfolgsmeldung genug, dass sich Hauptstadt in diesem Jahr einen weiteren Feiertag genehmigt. Damit sich der wirtschaftliche Verlust dennoch in Grenzen hält, verständigte man sich auf den Internationalen Frauentag, der 2019 auf einen Sonntag fällt.

           In der Regel dauern Parteitage zwei, drei Tage. Dann sind alle Unklarheiten beseitigt und die Frauen und Männer strömen wieder nach Hause in die gute Bundes- oder Landtagsstube. Dass jedoch die Partei der Grünen eine ganze Woche tagen durfte, verursachte bei vielen im politischen Berlin mächtiges Sodbrennen. Bei kostenloser Bewirtung zeigten die Sonnenblumen-Freunde innerhalb der Internationen Grünen Woche ihr unschuldigstes Gesicht.

           Während der Vatikan für nächsten Monat zum Missbrauchsgipfel einlud, fanden sich im verschneiten Davos Wirtschaftsbestimmer zum Weltwirtschaftsgipfel ein. Trafen sich einst die Übeltäter sämtlicher Prägung heimlich und hinter verschlossenen Türen, kann heute die öffentliche Präsenz des kriminellen Treibens nicht groß genug sein.  

           Das Familienministerium legte das Starke-Familien-Gesetz und das Gute-Kita-Gesetz vor. Aus diesem Grund möchte das Ministerium für Arbeit mit einem eigenen griffigen Vorhaben punkten. Das Haus plant eine Respekt-Rente. Deshalb sei an dieser Stelle auf die Sorglos-Wahlprogramme verwiesen, die in den Schubladen der Parteivorsitzenden schlummern. Oder der vom Bundesinnenminister zur Vorlage gebrachte Heitere-Heimflug für abzuschiebende Menschen.

           Da die Unsicherheit momentan größer als die Zuversicht ist, ob die in wenigen Monaten stattfindende Europa-Wahl sich für ein Fortbestehen der Union bekennt, erneuerten Deutschland und Frankreich noch rasch ihren in die Jahre gekommenen Freundschaftsvertrag.
26.01.2019, 17:37 Uhr


Die 3. Kalenderwoche 2019          
             # Nach dem Großbritannien noch das Türchen sucht, um aus der EU zu fliehen, hat die AfD erfolgreich ihre Vertreter bestimmt, die bei der Europawahl für die Partei antreten werden, um den Austritt Deutschlands aus der EU endlich in die Wege zu leiten. Dies führte wiederrum bei der EU zum mehrheitlichen Beschluss, Europa endgültig den Rücken zu kehren.
             # Wütend ihrer finanziellen Lage wegen, traten die Sicherheitskräfte vieler deutscher Flughäfen in einen Warnstreik. Das wenige Geld, was sie bisher erhalten, um sich angemessen mittels Kaffee und Schokolade in eine dauerhaft aufmerksame Lage zu bringen, reiche weder hinten, noch vorne aus. Die Arbeitgeber sahen durch den Streik mittelfristig Deutschland abstürzen und ließen deshalb erbost mitteilen, die Fachkräfte mögen doch bitte einmal auf dem Boden bleiben.

             # Die AfD erklärte sich bereit, den Verfassungsschutz als Prüf-Fall stärker ins Visier zu nehmen.
             # Bei einer Feierstunde forderte der Bundestagspräsident die männlichen Abgeordneten auf, ihre Frauen mehr bei der Hausarbeit zu unterstützen. Wie er denn seiner Frau daheim zur Hand geht, wollte beim späteren Empfang eine Kellnerin von W. Schäuble wissen. Für ihn gibt es das Problem nicht, antwortete der Politiker. Der Haushalt liegt einzig in den Händen einer Haushälterin und nicht in denen seiner Frau.

             # Der amerikanische Botschafter in Deutschland, R. Grenell, schrieb deutschen Unternehmen gepfefferte Briefe. In seinen Schreiben zeigte sich der Diplomat ziemlich verärgert, denn eine Sache stinke ihm mächtig. Die geplante Gasleitung zwischen Russland und Deutschland sei nicht im Sinne des momentanen Haushaltsstopps in Amerika. Daraufhin versprachen die Konzernzentralen gegenüber dem amerikanischen Präsidenten, den Einwand sorgfältig zu prüfen. Bis zum Abschluss dieser Prüfung wurde Herrchen aufgefordert, die Leine, wenn möglich, zu seinem scharfen Hund kürzer zu halten.

19.01.2019; 17:35 Uhr


Die 2. Kalenderwoche 2019
           # Der Oberliberale Ch. Lindner machte in Stuttgart deutlich, dass er nicht wegläuft, wie er aber auch keinem hinterher läuft. Und R. Habeck, erklärter Thüringen-Versteher der Grünen, löschte seine Konten bei Twitter und Facebook. Somit bleibt für ewig die Frage offen, ob Herr Lindner weggelaufen wäre, hätte Herr Habeck dem Liberalen eine Freundschaftsanfrage geschickt. Hätte, hätte, Zuckerschnecke.
           # Der Finanzminister O. Scholz gab selbstbewusst zu Protokoll, sich die Arbeit als Kanzler vorstellen zu können. Dass der oberste Kassenwart damit den Job als Bundeskanzler meinte, überraschte selbst seine Parteifreunde, hatten die ihm eher eine Stelle als Kanzler einer kleineren Universität zugedacht.

           # Nachdem erstaunlich zügig der Hacker-Angriff auf sensible Daten von Politikern und Prominente aufgeklärt wurde, prüft der Innenminister H. Seehofer ebenso rasch, in welches Land der in Hessen geborene Täter abgeschoben werden kann.
           # Kaum fiel im Monat Januar völlig überraschend Schnee und machte die Alpen zum Alptraum, düsten zwölf Sternchen in den Dschungel. Dort werden die Kandidaten fette Maden essen oder warmes Tierblut trinken: das Zurück-nach- Deutschland-Tickt gilt es sich zu erkämpfen. Doch diesmal werden die Promis ihre hehren Aufgaben in einem Kölner Studio absolvieren. Denn einige Sicherheitsleute, die diverse Flughäfen bestreikten, hatten angekündigt, ihren Ausstand verlängern zu wollen. Und vom Schnee wusste man, dass dieser genug von den Bergen hat und mit ebenen Landepisten liebäugelt.
12.01.2019, 17:18 Uhr


Die 1. Kalenderwoche 2019
           # Einige der sonst zuverlässigen Geldautomaten verweigerten sich der Wünsche ihrer Kunden. Nicht, dass sie gesprengt wurden. Die Automaten. Die Fahrer der Geldtransporter streikten, um einen höheren Verdienst zu erwirken.

           # Auf Drängen des deutschen Außenministers H. Maas berief man Deutschland für zwei Jahre in den Uno-Sicherheitsrat. Das war auch höchste Zeit. Denn trotz der Mängel, die die Bundeswehr bekanntermaßen auszeichnet, hat eben diese Wehr für ein Jahr den Vorsitz der NATO-Eingreiftruppe übernommen.
           # Nachdem eine chinesische Raumsonde auf der Rückseite des Mondes ihre Fühler aufgesetzt hat, kündigten die Herren der Gruppe Pink Floyd für 2065 einen zweiten Teil ihrer vor 46 Jahren erschienenen Scheibe The Dark Side of the Moon an.

           # Ein Hamburger Start-up entwickelte einen Algorithmus für die Erfolgsaussichten von Romanen. Mit 77 Prozent versprechen die Jungunternehmer ihre Trefferquote. Dass Verlage großes Interesse an der KI haben, ist verständlich. F. Merz, gefühlter CDU-Vorsitzender, verklagte indessen seinen Berater. Dieser hätte es versäumt, die Parteitagsrede von Merz zuvor mit dem Algorithmus zu prüfen.

           # Unbekannte hackten und stellten die privaten Telefonnummern und Adressen von zahlreichen Politikern ins Internet. Viele der betroffenen Politiker regten sich über diese ungewollte Transparenz auf. So hätten sie das als Volksvertreter, der seinem Wähler nah ist und den man anfassen könne, nicht gemeint.

05.01.2019; 17:54 Uhr


Die 52. Woche 2018
           # S. Wagenknecht stellte sich mit einer gelben Weste bekleidet vor das Kanzleramt. Mit ihrer Aktion wollte die Linke-Fraktionschefin das müde Wahlvolk auffordern, ab 2019 verstärkt gegen die Politik der Reichen zu protestieren. Dass Freunde des provokanten Tweets einen sauteuren Kaschmirmantel unter der billigen Weste von Frau Wagenknecht entdeckten, wurde nicht weiter kommentiert.
           # Pünktlich zum Weihnachtsfest wandten sich die Kirchenoberen an ihre Schäfchen. Was die Hirten zu sagen hatten unterschied sich auch dieses Jahr wenig von dem, was Politikern gern an Feiertagen entschlüpft. Und ebenso zum Fest des Friedens meldete sich der Bundespräsident. An sein Volk gerichtet klang F.-W. Steinmeier wiederum wie ein Geistlicher, der um das Wort zum Sonntag rang.

           # Der US-Botschafter in Deutschland R. Grenell hat sich bei einem namhaften Wochenmagazin im Zusammenhang mit gefälschten Berichten über den antiamerikanischen Kurs des Magazins beklagt. Für ein sinnvolles USA-Bashing sei immer noch die amerikanische Regierung verantwortlich, mahnte der Botschafter.
           # Die Statistiker meldeten einen Einbruch bei den Wohnungseinbrüchen. Immer weniger Menschen machen sich die Mühe, um die Wohnungen anderer Menschen leer zu räumen. Was ist das nur für eine Welt? Selbst die Einbrecher scheinen bereits alles zu besitzen.

           # Die sächsischen Winzer meldeten für dieses Jahr eine Rekordernte. Diese Nachricht wurde von vielen Konsumenten mit Erleichterung aufgenommen. Denn nach der sächsischen Landtagswahl im kommenden Jahr wird mit Sicherheit die eine oder andere Flasche zum Schönreden der Resultate benötigt.

29.12.2018, 17:15 Uhr


Die 51. Woche 2018
           # Längst hat sich der Kunde daran gewöhnt, Lebkuchen bereits im August in seiner Filiale zu finden. Die bundesdeutschen Weihnachtsmarktbetreiber, besser unter dem Kürzel WMB bekannt, haben sich jetzt darauf verständigt, eben jene beliebten Märkte der ungesunden Speisen und alkoholischen Heißgetränke in ausgesuchten Großstädten ab 2019 ganzjährig anzubieten.
           # Ein weiteres Mal versucht die SPD ein prominentes Mitglied ihrer Partei vor die Tür zu setzen. Dem ehemaligen Finanzsenator von Berlin T. Sarrazin wird vorgeworfen, den letzten Rest an Existenzberechtigung der SPD abschaffen zu wollen. Dies würden zwar auch andere Parteimitglieder versuchen, hieß es, jedoch weitaus erfolgreicher.

           # Die Bundeskanzlerin gratulierte zwei Haudegen des eher rauen Musikgeschäfts zum siebzigsten bzw. zum fünfundsiebzigsten Geburtstag. Wenn man bedenkt, schrieb die Kanzlerin in ihrem Brief, wie oft man O. Osbourne und K. Richards aufgrund ihres wenig beispielhaften Lebenswandels für tot erklärt habe, blicke sie frohgemut in ihre eigene Zukunft.
           # Nachdem sich der ehemalige CDU-Politiker F. Merz per Zeitungsinterview für einen Posten als Bundesminister bewarb, gab es bei seinen Unterstützern einen entrüsteten Aufschrei. Minister sei ihnen viel zu mickrig, hieß es. Mindestens als Bundeskanzler könnten sie sich ihren Retter vorstellen. Oder noch besser als Papst.

           # H. Fischer und F. Silbereisen, die gern als Schlagerduo durch die Gartenvereine und Möbelhäuser der Republik tingeln, gaben ihre Trennung bekannt. Nach dem seine langjährige Freundin ziemlich häufig atemlos nach Hause kam, sprach F. Silbereisen sie daraufhin an. Frau Fischer leugnete den Grund ihrer mangelnden Kondition nicht lange und bekannte sich offen zu ihrem neuen Freund.

22.12.2018, 18:05 Uhr


Die 50. Woche 2018
           # Diese Woche war vom Suchen und teilweisen Finden geprägt. Während halb Deutschland noch immer nach dem Impfausweis sucht, fand man den MfS-Ausweis des einstigen Geheimdienstoffizier und heutigen Präsidenten V. Putin. Als einige, die nach ihrem Impfausweis kramen, diese Nachricht hörten, stellten die sofort ihr Suchen ein. Unerwartet auf den eigenen Ausweis der Firma zu stoßen, galt es kurz vor Weihnachten zu vermeiden.
           # Dafür suchte die englische Premierministerin T. May weiterhin einen Weg, um ihr Land unbeschadet aus der EU zu bekommen. Damit die Fotografen das Mühen der Regierungschefin mit passenden Bildern illustrieren konnten, ließ sich am Dienstag die Autotür beim Blitzbesuch im Kanzleramt erst nach mehrmaligen Rütteln und Klinken öffnen.

           # Die neue CDU-Spitze, die noch am Kater ihrer wenig prozenthaltigen Wahl litt, suchte nach einem Posten für ihren verlorenen Sohn F. Merz. Zwei Stellen rückten in die engere Wahl: Kassenwart für die ungeliebten, aber wichtigen schwarzen Konten. Oder Sprecher der Parteimitglieder, die im Besitz von Aktien sind.
           # Zum Ende der Woche suchten viele Ägypter vergeblich nach gelben Westen. Um den Jahrestag des Aufstands gegen Mubarak nicht allein dem gerade mächtig angesagten Bekleidungsstück aus dem Land der Mode zu überlassen, entfernte man es vorsorglich aus den Geschäften.
15.12.2018; 18:03


Die 49. Woche 2018
              # Im 266 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Katowice fand der 1001. Gipfel in diesem Jahr statt. Das Klima, das bei den Beratungen herrschte, wurde von einigen Beobachtern als ungewöhnlich schwül-warm beschrieben. Die heftigen Westsaharawinde ließen, hieß es von den Experten, an einen baldigen Sommer denken, der den von 2018 weit in den Schatten stellen wird.
           # Wer bisher zweifelte, dass Handelspolitik in den Händen von Großkonzernen liegt, wurde eines Besseren belehrt. Mehrere Autobosse besprachen mit dem amerikanischen Präsidenten geplante Investitionen und die Abwendung möglicher Zollstrafen. Den EU-Vorderen, denen rechtlich diese Aufgabe zusteht, war es vorbehalten die Unterweisung, wie politisches Handeln funktioniert, aus der Ferne verfolgen.

          # Einen Tag nach Nikolaus beschenkte sich der CDU-Parteitag mit einer neuen Vorsitzenden: A. Kramp-Karrenbauer. Tage zuvor zeigte sich Merkels Mädchen noch auffallend häufig mit einem roten Schal um den Hals, dass wilde Gerüchte aufkamen, AKK bewerbe sich für den Chefposten der anderen Volkspartei.
08.12.2018, 17:54 Uhr


Die 48. Woche 2018
           # Die Bundesumweltministerin S. Schulze kündigte dem Plastikmüll den Krieg an. So sollen Gurken oder Bananen, die mit einer Folie verpackt sind, aus dem Supermarkt verschwinden. Auch das nervige Schleppen von Wasserflaschen soll entfallen. Dafür werden überall Stationen eröffnet, wo der durstige Bürger genügend Trinkwasser in seine Kanne abfüllen kann.
           # Nächstes Jahr wird Hannover um eine Attraktion ärmer sein. In Ermangelung gläubiger und pilgernder Menschen bleibt die Pforte zur größten Computer-Messe geschlossen. Ob auch Missbrauchsfälle an Ministranten zur Kappung der Messe geführt haben, blieb von der Cebit unkommentiert.

           # Wohlbehalten landete der NASA-Roboter InSight auf dem Roten Planten. Die ersten Bilder, die der Maulwurf an die Erde schickte, überraschten die Wissenschaftler. War doch eine noch gut erhaltene Geschenkbox mit drei Filmkassetten zu sehen: Mars Attacke!, Der Marsianer sowie Die totale Erinnerung.
           # Zwar werden überall uniformierte Ordnungshüter gebraucht und nachbestellt. Ehe diese umfänglich ausgebildet ihren ehrenwerten Dienst antreten können, erklärte sich der Bürgermeister von Tübingen B. Palmer bereit, in seiner ohnehin knapp bemessenen Freizeit als Hilfssheriff durch die städtischen Straßen zu patroulieren.

           # Um ihre Freundschaftsanfrage zu bekräftigen, besuchte 170 Einsatzkräfte der Polizei kurzerhand die Deutsche Bank. Damit nicht genug. Völlig uneigennützig gingen die Beamten den Bankangestellten beim Waschen von Geldscheinen zur Hand. Selbst bei der aufwendigen Suche nach sicheren Orten zur Gründung diverser Offshore-Gesellschaften halfen die Polizisten ihren neuen Freunden.
01.12.2018, 17:31 Uhr


Die 47. Woche 2018
           # Es sei der Sommerhitze zu verdanken, hieß es unverhohlen spöttisch zu Beginn der Woche, dass die Kartoffeln um die Hälfte teurer werden. Strittig blieb die Frage, wer den Kunden bei seinem Knolleneinkauf per Subvention unterstützen wird: die Bundesregierung oder die EU.
           # Der Neid um den Verdienst des Kandidaten F. Merz hielt auch diese Woche an. In der ganzen Aufregung verschwamm zunehmend, welcher Verdienst in den Fokus gerückt war. Meinte man den Verdienst, zehn Jahre politisch im Hintergrund agiert zu haben? Meinte man Merz‘ Verdienst, drei Kinder groß gezogen zu haben? War es der Verdienst, dass er seit 1981 mit ein und derselben Frau verheiratet ist? Dass seine Manschettenknöpfe farblich stets zum Anzug stimmen? Oder handelte es sich um den Verdienst, einen Artikel im Grundgesetz zur Disposition zu stellen, um wenige Stunden später seine Aussage „für alle zum Mitschreiben“ zu revidieren?

           # Passend am Buß- und Bettag stritt der Deutsche Bundestag über den Haushalt 2019. Dass die Vertreterin der größten Oppositionspartei über ihren Umgang mit diversen Spenden sprach, ließ bezogen auf das Thema der Debatte aufhorchen.
           # Mit ihrer kämpferischen Rede qualifizierte sich A. Merkel am gleichen Tag erkennbar zur eindeutigen Favoritin um den vakanten CDU-Vorsitz.

           # Und wie so oft kam auch diese Woche die bitterste Meldung am Freitag: Der bekennende Haselnussfreund und Sänger namens Heino kündigte seinen Abschied von der Bühne an. Nach der Auslieferung vom letzten Bader-Katalog sehe sich der Barde nicht im Stande, seiner Freude an stets wechselnden und seinen Liedern angemessenen Brillengestellen nachzugehen.
24.11.2018; 18:07 Uhr


Die 46. Woche 2018
          # Die Ankündigung der SPD-Vorsitzenden A. Nahles, dass sich ihre Partei von Hartz IV trennen wolle, zeigte Wirkung. Sofort eilten zahlreiche Bezieher von Arbeitslosengeld II zum Jobcenter, um sich von ihren Vermittlern zu verabschieden. Dabei geizten die Noch-Bezieher nicht, ihren Noch-Vermittlern diverse Tipps für Umschulungsmaßnahmen auf den Weg zu geben.
           # Die AfD, die verbotenerweise eine Spende aus der Schweiz annahm, klagte – nach Bekanntwerden der Überweisung – über heftigen Kopfschmerz. Dass das Pharmaunternehmen, von dem das Geld stammt, mehrheitlich Blutdrucksenker produziert, half da wenig.

           # H. Seehofer, der gern einen Rücktritt von einem angekündigten Rücktritt hinlegt, versprach bei einem Besuch in Bautzen, sich ein Beispiel an Frau Merkel zu nehmen. Das Amt als Parteivorsitzender will er abgeben. Das Amt als Innenminister behält er. Wann er die zu erwartende Rücknahme von seinem Verzicht erklärt, ließ der Minister offen.
           # Eine Nachricht machte besonders betroffen. Nach einer Klausur beschloss die Bundesregierung, drei Milliarden Euro für die Künstliche Intelligenz auszugeben. Der Zweifel an den eigenen Fähigkeiten muss demnach größer sein als vermutet.

           # Die Bundeskanzlerin besuchte Chemnitz und weihte dort einen weiteren Merkelmussweg ein.
           # Am Ende der Woche platzte eine Bombe, die wohl bei jedem Fernsehzuschauer zur Schnappatmung führte. Die ultimative Erfolgsserie Lindenstraße wird nach einem halben Menschenleben eingestellt. Kein geringerer als Til Nuschel Schweiger durchlitt in der Seifenoper sein erstes Bad in der Lauge. Als Joe Zenker stieg er 1992 aus, trocknete sich gut ab und düste gen Hollywood. Und siehe da, selbst im sonnigen LA machte er wie der wirkliche Schweiger eine betörende Karriere.
17.11.2018; 17:28 Uhr


Die 45. Woche 2018
           # Nicht weniger als zwölf Apostel meldeten am Montag ihre Bereitschaft an, in den frei gewordenen Blazer zu schlüpfen, um ab Weihnachten die frohe Kunde der CDU unter das Wahlvolk zu bringen.

           # Der ehemalige Verfassungsschutzpräsident H.-G. Maaßen wurde in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Nach dem QuBeGe, dem Quengler-Bestandsschutz-Gesetz haben 55-Jährige Nervensägen darauf Anspruch. Die Frage des einstigen Präsidenten, ob er sich nun wenigstens politisch betätigen dürfe, wurde positiv beschieden. Der rüstige Jungrentner kündigte daraufhin per Life-Schalte aus seinem Bunker an, der neugegründeten Partei der Rache beizutreten. Deren Vorsitz hat noch ein gewisser F. Merz inne.
           # Zu Wochenmitte bestätigte das Amt für Veterinär- und Lebensmittelüberwachung von Sachsen-Anhalt einen Einsatz in Dessau. Man habe sich im dortigen Brauhaus lediglich davon überzeugen müssen, dass das Konzert der Hausband von F.-W. Steinmeier Feine Sahne Fischfilet den hygienischen und Tierschutzvorgaben gemäß in Ordnung war. Einzig, dass beim Genuss der Lieder nur die linken Nervenzellen bedient wurden, bemängelte das Amt in seinem abschließenden Bericht.
10.11.2018; 17:40 Uhr

Die 44. Woche 2018
           # Zu Wochenbeginn wurde das Wort Abschied großgeschrieben. Genau zweiundvierzig Jahre nachdem E. Honecker von der Volkskammer der DDR zum  Staatsratsvorsitzenden gewählt wurde, trat A. Merkel am 29. Oktober vor die Presse, um ihren Abschied von der Politik zu verkünden. Sofort verließen bekannte und weniger bekannte Gesichter aus ihrer Deckung, um zu beweisen, dass auch sie die notwendige Raute stilvoll beherrschen.
           # Einen Tag später teilte ein Anwalt in einer großen Tageszeitung selbst denen mit, die es nicht wissen wollten, dass sich B. und C. Wulff erneut getrennt haben. Wie die BILD-Zeitung Tage später versicherte, habe C. Wulff anders als im Dezember 2011 diesmal den Chefredakteur nicht angerufen, um wegen der Nachricht lautstark zu intervenieren.

           # 50.000 NATO-Soldaten probten weiterhin in Norwegen den Ernstfall, obschon dieser in Amerika längst im Weißen Haus sitzt wie er den Paláco do Planalto in Brasilien zielgerichtet und wählerbedingt ansteuert.
           # Das Bundeskabinett beschloss die Anhebung des Mindestlohns auf stolze 9,19 Euro. Ausgerechnet der Finanzminister O. Scholz, dessen Mantra das Sparen ist, meinte im bewährten Duktus der Sozialdemokratie, gerecht wären 12 Euro.

           # Am Donnerstag beehrte der Bundespräsident F.-W. Steinmeier mit seiner Anwesenheit zwei Städte in Dunkeldeutschland. Ob den Dresdnern und Chemnitzern nach den Gesprächen mit dem Bundespräsidenten ein Licht aufgegangen ist, werden die anstehenden Novembertage zeigen.

           # Das Wort der Woche: Musterfeststellungsklage.

Für alle Freunde des beliebten Familienspiels Scrabble hat die Justizministerin K. Barley, selbst Mutter zweier Kinder, dieses neue Wort kreiert und – im Politsprech – auf den Weg gebracht. An dieser Stelle noch zwei Vorschläge aus unserer Redaktion: Wortungetümsbauministeriumssprecherin; Verbraucherschutzkantinenbetreiberkontrollinspektion

03.11.2018; 17:30 Uhr


Die 43. Kalenderwoche 2018
           # Am Montag sagte Siemens-Chef Joe Kaeser eine Reise nach Saudi-Arabien ab. Zu gut erinnere sich der Manager an seinen USA-Aufenthalt, sagte die dieser. Nach der USA-Reise habe er sich damals von Joseph Käser in Joe Kaeser umbenannt. Vor einer erneuten Namensänderung z.B. in Jusuf Al-Khaleel wäre selbst Joe K., hieß es, zurück geschreckt.

           # Am Dienstag mahnte der türkische Präsident den Schutz der freien Medien an. Und solange Saudi-Arabien Journalisten in der Türkei ermordet, würde maneine Vielzahl anderer Journalisten vorerst zu deren eigenen Schutz in türkischen Gefängnissen belassen.

           # Die wegen einer Berater-Affäre zunächst in die Mongolei dann nach China geflüchtete Verteidigungsministerin v. d. Leyen teilte nach intensiver Rücksprache mit ihrem momentanen Beraterkreis mit, dass man sie in der Vergangenheit wohl falsch beraten hat. Für weitere Auskünfte, so die Ministerin, stehe sie selbstverständlich nach erfolgter Abstimmung mit ihren neuen Beratern zur Verfügung.
           # Die Bürgermeisterin aus Sachsen-Anhalt, die vergangene Woche bei 2,8 Promille mit ihrem Auto einen Unfall verursachte und Fahrerflucht beging, entschuldigte sich jetzt schriftlich. Neben ihrer Beteuerung, dass es ihr leid tut, schrieb sie, dass es einmal spüren wollte, wie es sich als CDU-Mitglied anfühlt, unter die magische 5 Prozentmarke zu rutschen.

           # Kalauer der Woche: Wissenschaftler haben Mikroplasitk in Stuhlproben nachgewiesen. Furchtbar! Selbst die guten alten Stühle aus Holz sind nicht mehr was sie mal waren.
27.10.2018; 15:57


Die 42. Kalenderwoche 2018

           # Bei der Landtagswahl erhielt die CSU am Wochenende eine mächtige Klatsche. Und auch die Spieler von Bayern München konnten der deutschen Mannschaft bei ihren letzten beiden Länderspielen nicht zum Sieg verhelfen. Nur kurz stand die Frage im Raum, welchen Partner sich der amtierende Ministerpräsident M. Söder zum Freischwimmen ins schlingernde Boot holen wird. Söder entschied sich für die Freien Wähler. Wenn man schon den Kuchen der Macht teilen muss, dann mit welchen, die nicht beißen.  
           # Da sich die hessische Polizei zum bevorstehenden Weihnachtsfest ein paar neue Autos wünscht, besuchten am Montag schon einmal ausgewählte Beamte die Autohäuser in Rüsselsheim und Kaiserslautern.
           # Bei den deutschen Reiseveranstaltern knallten an Mittwoch die Sektkorken. Kanada gab den Gebrauch von Cannabis frei.
           # Wie im richtigen Leben feilschten Großbritannien und die EU im Trennungsjahr auch dieser Tage um jede Tasse aus dem guten Kaffeeservice. Zwar ist die Scheidung bereits für den März 2019 bei Gericht gebucht, zieht in der Zwischenzeit die eine Seite lieber einen Flunsch bis unters Knie, während die andere in einem Schmollwinkel hockt und sich darüber beklagt, dass niemand den Schuss gehört hat.
           # Die Welt ist aus den Fugen. Zumindest in Bayern. Und am Wochenende in Hessen. Während sich die SPD langsam aber sicher abschafft, wird Bündnis 90/Die Grünen zur ultimativen Volkspartei. Der einstige Verbotshaufen, der den Veggie-Day einführen wollte und die Sonnenblume als die neue Nelke definierte, rockt die Republik. 
           # Drei ostdeutsche Ministerpräsidenten forderten am Freitag in einem – für ihre Verhältnisse – flammenden Appell vom Bund mehr Kohle, sollte eben diese nicht mehr aus ihrem Boden gefördert werden. 
20.10.2018; 17:40 Uhr
 

 

 

Die 41. Kalenderwoche 2018
           Der Weltklimarat drängte die Politik zum Handeln, da Gespräche und Diskussionen nur noch hitzig ausgetragen werden. Viele, die sich heute zu Wort melden, leiden über erhöhter Temperatur, überdies spucken sie Feuer und wollen ihrem Gegenüber einheizen. Nur logisch, dass der Weltklimarat zu dem Schluss kam: „Es muss rasche, weitreichende und beispiellose Veränderungen in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft geben.“
           Ein Berliner Gericht beschloss, nächstes Jahr einige Straßen in der Hauptstadt für den Autoverkehr zu sperren. Man hatte festgestellt, dass andere Straßen in der Stadt viel zu selten genutzt werden. Dies soll sich nach dem Urteil ändern.

           Kann der Papst schon die lebenden Kinder nicht vor seinen eigenen Kollegen schützen, so machte er sich bei seiner Generalaudienz für die ungeborenen Kinder stark und meinte, eine Abtreibung sei ein Auftragsmord.

           Die letzten Tage vor der Wahl in Bayern zeichneten sich dadurch aus, dass die SPD vorzeitig ihre Wahlpartie absagte. So viel Zuversicht war selten. Währenddessen soll der amtierende Ministerpräsident M. Söder schon mal – ebenfalls mit Blick auf die desaströsen Umfragewerte seiner Partei – verschiedene Kostüme probiert haben. Ob als Greifvogel mit gestutzten Flügeln oder als Tiger, der den berühmten Bettvorleger gibt, wer den Ministerpräsident kennt, konnte sicher sein, dass der zum Wahlabend in die richtige Garderobe schlüpfen wird.

13.10.2018, 18:10 Uhr


Die 40. Kalenderwoche 2018   
          Den vierzehn Intensivstädten stinkt es gewaltig. In ihrer Not lobten sie jetzt eine Umtauschprämie aus. Für jede zugewanderte Fachkraft wollen die Städte das angedrohte Fahrverbot aufheben und einen Spurwechsel gewähren. Während den Autobauer eine fette Dieselfahne zugesprochen wurde, können sie sich gleichzeitig für jede Nachrüstung einen kräftigen Rabatt zuschreiben. Wer das nicht versteht, dem sei versichert, die Sache ist, wie die Parteivorsitzende der SPD A. Nahles sagte, zu komplex, um verstanden zu werden.   


          Der Tag der Einheit wurde auch dieses Jahr am dritten Tag im Oktober begangen. Bundeskanzlerin A. Merkel ging in ihrer Rede auf die noch immer ungleichen Lebensverhältnisse zwischen Ost und West ein. Bei aller noch zu leistender Aufholjagd würde es sie optimistisch stimmen, dass der Feiertag bundesweit am gleichen Tag gefeiert wurde.
           

           Trotz massiver Kritik, die der amerikanische Präsident D. Trump per Twitter verschickte, übernahm der deutsche Bordingenieur A. Gerst von seinem US-Kollegen D. Feustel das Kommando der Internationalen Raumstation. Dies sei der schlechteste Deal des Jahrhunderts, schrieb der Präsident. Weiter mutmaßte er, dass der Deutsche wohlmöglich die ISS mittels einer Schummelsoftware bedienen und somit die Umwelt belasten werde. Was dies für die Raumfahrtindustrie hieße, sehe man ja in Deutschland: Erst gegen den Neukauf einer technisch einwandfreien Rakete würde man die alte Dreckschleuder aus dem Verkehr ziehen.
06.10.2018, 15:10 Uhr


Die 39. Kalenderwoche 2018
           Zu Beginn der Woche staunten nicht wenige, als sie hörten, Deutschland spricht. Der eine oder andere fragte sich besorgt: Und wer hört zu?

           Ganz andere fragten sich, was ein Frühstücksdirektor ist? Denn diese Funktion wurde für Herrn, na Sie wissen schon gefunden. Kontrolliert dieser leitende Angestellte, ob alle, die ebenso leitende Posten begleiten, ihr Pausenbrot dabei haben? Und wenn ja, was liegt zwischen deren labbrigen Roggenscheiben? Fingerdicke Blutwurst für die dauererregten Falken. Oder Streichelkäse für die blassen Softies.

           Dagegen ist allgemein bekannt, wie das Tagwerk eines Strippenziehers aussieht. Ein solcher Zieher, der von Haus aus Steuerberater ist, wurde zum Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU gewählt. Es bleibt abzuwarten, in welche Richtungen R. Brinkhaus die Strippen ziehen wird. Bindet er die Fraktion fester an die Parteivorsitzende, oder knüpft er gemeine Fallstricke.

           Die Kanzlerin lehnte es unterdessen ab, die Vertrauensfrage zu stellen. Sie habe, hieß es, weiterhin vollstes Vertrauen, dass die Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Ost und West selbst in hundert Jahren nicht verschwunden sein werden.

           Überraschend schob die Uefa Deutschland als Trostpreis für die verpatzte WM in Russland die Europameisterschaft 2024 zu. Die Türkei, die als Mitbewerber ins Rennen startete, ging leer aus. Als Entschädigung durfte der Präsident R. T. Erdogan nach Deutschland reisen. Hier wurde der Präsident mit allen Ehren empfangen, aß in großer Runde deftigen Sauerbraten und eröffnete als Vorbeter eine Moschee.
29.09.2018, 14:20 Uhr


Die 38. Kalenderwoche 2018
           Zu Beginn der Woche äußerten sich deutsche Bischöfe über eine Studie entsetzt, die den Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche zum Thema machte. Für die Geistlichen war die Untersuchung Anlass genug, endlich die Abschaffung der Ehelosigkeit zu fordern. Mit der Heirat zwischen einem Priester und seinem Ministranten, so die Meinung vieler, wäre man für immer die ganzen Negativschlagzeilen los.

           Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend F. Giffey besuchte eine Kindertagesstätte. Dort hinterließ die Ministerin ein Milliardenpaket für eine bessere Betreuung. Und weil die Ministerin einmal da war, erkundigte sie sich gleich über die Lebensbedingungen der Kinder. Danach betonte F. Giffey, dass es ein sehr konstruktives und überaus nützliches Gespräch gewesen sei. In wichtigen Punkten habe man sich einander angenähert und Gemeinsamkeiten festgestellt. Um aber zu substantiellen Lösungen zu gelangen, werden weitere, von einem Arbeitskreis vorbereitete Gespräche folgen.

           Der Chef des Verfassungsschutzes H.-G. Maaßen verlor seinen Posten und wurde ins Innenministerium berufen. Ein Bauernopfer wurde somit zum besser bezahlten Läufer befördert. Als Staatssekretär im Ministerium wird Maaßen somit zukünftig die Lage auf den ostdeutschen Straßen noch besser und effizienter analysieren können. Welchen Zeitungen der neue Staatssekretär seine Erkenntnisse im Anschluss mitteilen wird ist noch offen.

           Am Ende der Woche erhielt Minister für Inneres H. Seehofer einen Brief von namhaften und weniger prominenten Künstlern. In dem Brief forderten die politisch versierten Kulturschaffenden Seehofer zum Rücktritt auf. Eine Reaktion seitens Ministers stand bis jetzt noch aus, da der das Schreiben zunächst an seinen Führungsoffizier A. Gauland weiterleitete.
22.09.2018, 17:15 Uhr

Die 37. Kalenderwoche 2018
           Um die Fluchtursachen besser zu bekämpfen, diskutierte man in Berlin über Hilfen vor Ort, also einen Vergeltungsschlag in Syrien. Allein Verteidigungsministerin U. v. d. Leyen versuchte den Eifer vieler zu bremsen. Die fünf Panzer, die gestern noch fuhren, befänden sich deit Juni, so die Ministerin, wegen den Winterreifen in der Werkstatt.
           Bahnchef R. Lutz schrieb seinen Leuten einen Brandbrief und beklagte die vielen Fehler des Unternehmens. Ob durch den Appell die Züge die Fahrpläne einhalten, bleibt auf jedem Bahnsteig der Republik abzuwarten.

          Während sich Verfassungsschutzpräsident H.-G. Maaßen falsch verstanden fühlte, entschuldigte sich Musikus D. Bohlen wegen seiner Kleidung mit den Worten: „Das ist falsch rübergekommen.“ Bohlen soll dem Sender RTL bereits ein neues Showformat angeboten haben: DSDUM – Deutschland sucht den unverständlichsten Mann.    
           Die rührigen Dinos Kaufhof und Karstadt gaben bekannt, ab sofort gemeinsam auf Jagd, also einkaufen zu gehen.

           Dem ehemaligen Kanzlerkandidaten der SPD M. Schulz platzte während der Bundestagsdebatte der Kragen. Geschlossen erhob sich seine Fraktion von den Plätzen und verschaffte ihrem Ex ein rührendes Déjà vu. Bei der Kandidatur zum Kanzlernachfolger im Januar 2017 standen seine Genossen auch alle hinter ihm.
           Im Hambacher Forst kletterten Polizisten auf Bäume. Hetzjagden sind auch nicht mehr, was sie mal waren.

           Die Abgeordneten der AfD, die geschlossen den Bundestag verließen, taten dies, um den freundlichen Rat des SPD-Abgeordneten J. Kahrs zu befolgen. Dieser hatte den Kollegen von der Opposition geraten, sie mögen doch bitte mal in den Spiegel schauen.
15.09.2018, 16:50 Uhr


Die 36. Kalenderwoche 2018
           Dass dem Gesundheitsminister J. Spahn sein Revier zu viel klein ist, war bisher eher ein Gerücht. Doch schlug nun der eben nicht ausgelastete Minister vor, dass der Bürger zukünftig nicht mehr täglich hundert Mal um seine Zustimmung in punkto Datenschutz gebeten werden soll. Die Widerspruchslösung, die Spahn auch bei der Spende eines Organs für sinnvoll hält, sieht er beim Datenschutz dringend geboten. Nur wenn der Bürger explizit widerspricht, dürfen von ihm Daten gesammelt oder nach seinem Ableben Organe entnommen werden. Widerspruch statt Zustimmung. Unbestätigten Angaben nach soll der Minister die Widerspruchslösung in interner Runde für zukünftige Landtags- und Bundestagswahlen vorgeschlagen haben.
           Verteidigungsministerin v. d. Leynen kündigte an, von sich und ihrer Arbeit ein Fähigkeitsprofil erstellen zu lassen. Die wichtigsten Eckdaten sollen dann bei der Aktivierung der Bundeswehr und ihrer desolaten Panzer und Hubschrauber genutzt werden.

           Genau zu dem Zeitpunkt, als die WHO auf den gefährlichen Bewegungsmangel der Menschen hinwies, traten wichtige Fürsprecher der Plattform Aufstehen vor die Presse. Während die Gesundheitsorganisation bemängelte, dass jede dritte Frau und jeder vierte Mann mit ihrer Bewegungsresistenz lebensbedrohliche Krankheiten riskiert, klangen die Damen und Herren um S. Wagenknecht bei ihren Einlassungen, welche sie sitzend vortrugen, wie besorgte Bürger. Fazit des Sit-in mit Markenkostüm: Wer aufsteht, setzt sich auch wieder.
           Am Rande einer Wohnungsbesichtigung sagte Justizministerin K. Barley, dass die von ihr forcierte Mietpreisbremse bisher keine Wirkung zeigt, dies aber, unterstrich die Ministerin, auf erstaunlich hohem und verlässlichem Niveau.
          Bei seiner Regierungserklärung versicherte Sachsens Ministerpräsident M. Kretschmer, dass es bei dem Chemnitzer Konzert Wir sind mehr keinen Mob, keine Hetzjagd und kein Programm äh Pogrom gab. Wo der Minister recht hat, hat er recht. Für Schlagerfreunde waren die Klänge, die am Montag gratis geboten wurden, wenig atemlos.
           Zur allgemeinen Überraschung ging der Innenminister H. Seehofer hart mit sich und seiner bisherigen Arbeit ins Gericht, sagte er doch, er sei der Vater aller Probleme. Damit widersprach der Minister vehement all denen, die medienwirksam unkten, Mutti sei die Mutter allen Übels.

08.09.2018, 17:05 Uhr


Die 35. Kalenderwoche 2018
                       Anfang der Woche zogen wütende Bürger durch die Chemnitzer Innenstadt. Die Organisatoren hatten das Stadtfest vorzeitig abgebrochen. Laut Plan war noch ein Auftritt der Band Firebirds vorgesehen, dies wollte man den Bürgern nicht zumuten. Nach unbestätigten Angaben prüfte die Stadtverwaltung nun für das kommende Wochenende ein Ersatzkonzert von Petra Schwar, dem Nr. 1 Helene Fischer Double aus Münster. Leider konnte die vielbeschäftigte Künstlerin so kurzfristig nicht, dafür sprangen eher unbekanntere Bands wie Die Toten Hosen und Kraftklub ein
                    Um den vielen Nachfragen Rechnung zu tragen, entschloss sich das sächsische Justizministerium, ab sofort sämtliche Haftbefehle im Netz zu veröffentlichen. Somit können sich die interessierten Bürger ungehindert davon überzeugen, um wen es bei dem vermeintlichen Täter handelt, welcher Tat dieser beschuldigt wird und wie die Zeugen heißen.

                 Zwei Monate nach dem vorzeitigen Ausscheiden der deutschen Fußballmannschaft bei der WM stand der Bundestrainer Rede und Antwort. Er werde sich in Zukunft noch aktiver in die Spiele einbringen, so J. Löw. Wenn nötig würde er sein Edelzwirn mit einem verschwitzten Trikot tauschen, sich einwechseln lassen und mitspielen. Zu dem Vorwurf, im DFB hätte es Rassismus gegeben, sagte J. Löw, dass er das nicht bestätigen kann. Dies wäre ihm als Trainer mit schwäbischem Hintergrund aufgefallen.
              Beststellerautor T. Sarazin stellte sein neuestes Buch ‚Feindliche Übernahme - wie schnauzbärtige, an Augenlidsenkung leidende und dem S-Laut auf kriegsfußstehenden Ex-Politiker den Fortschritt behindern und die Gesellschaft bedrohen‘ vor. Bei der Veranstaltung, die A. Kissler vom Magazin Cicero moderierte, nahm Sarazin auch Stellung zu seinen vergangenen Büchern. Schließlich wäre es schön, wenn von denen noch einige über den Ladentisch gehen.
01.09.2018, 14:20 Uhr


Die 34. Kalenderwoche 2018
           H. Markwort, Gründer der legendären Zeitschrift Focus, äußerste sich unlängst, für den bayrischen Landtag kandidieren zu wollen. Darauf nörgelten einige Jungpolitiker, dass der Mann besser seine Rente genießen sollte, dabei ist Markwort erst einundachtzig Jahre. Die anderen grummelten, wenn er weiter seine Kolumne im Focus veröffentlichen will, könne St. Seifert, seines Zeichens Sprecher der Bundesregierung, in seiner Freizeit z. B. beim ZDF heute-journal jobben. (Was natürlich Unsinn ist, gewöhnlich geht man nicht wieder zu seinem Arbeitgeber zurück, den man verlassen hat.) 
           Ein Mitarbeiter des sächsischen LKA agierte verdeckt als besorgter Bürger bei einer Pegida-Demo. Ausgestattet mit  dem passenden Mütchen stürmte er, wie vorher vereinbart, auf filmende Journalisten zu. Frontal in die Kamera blickend stellte er mehrfach und überaus hörbar fest: „Sie begehen eine Straftat!“ Der Auftrag des Undercover arbeitenden Beamten vom LKA war klar geregelt. Er sollte medial griffig belegen, welch schwere Bedingungen u. a. Fernsehleute in Sachsen schultern müssen, um dem Beitragszahler zu befrieden. Doch leider handelte es sich bei den Polizisten, die der besorgte Bürger vom LKA wegen einer Anzeige drängte, um perfekt verkleidete Pegida-Demonstranten. So war es zu erklären, dass die sofort eingeleitete Datenerhebung der beschuldigten Journalisten etwas aus dem zeitlichen Ruder geriet.

          Bei den anhaltenden hohen Temperaturen jemanden die kalte Schulter zu zeigen ist gewagt. D. Trump gelingt das. Und weil er Europa mit seinem Desinteresse eben die kalte Schulter zeigt, versuchte der deutsche Außenminister die Lage zu beschreiben. Da die amerikanische Führung ’rote Linien‘ überschreitet, so H. Maas, müsse es Europa eine mit einer ‚balancierten Partnerschaft‘ versuchen. Dass die Verwendung der ‚roten Linien‘ ein heißes Eisen ist, bewies Trumps Vorgänger bei der Syrien-Frage. Doch was es mit der ‚balancierten Partnerschaft‘ auf sich hat, halten die Nachfragen der Medien bei Experten und Paartherapeuten noch an.
           Als die Wissenschaftler belegten, dass der Sommer 2003 heißer als der jetzige war, ging ein hörbares Stöhnen der Erleichterung durch die Republik. Doch hatte der Aufschrei nichts mit der Aussage der Wissenschaftler zu tun, vielmehr nahm man die zur gleichen Zeit veröffentlichte Meldung begeistert zur Kenntnis, dass am Wochenende mit einer spürbaren Abkühlung zu rechnen sei.

           Am Montag gab Griechenland den Rettungsschirm ab. Nach acht Jahren und einem Schwimmkurs von läppischen 288 Milliarden Euro muss sich nun das Land in den von Haien bevölkerten Gewässern ohne Rettungsring zurechtfinden.

25.08.2018, 17:30 Uhr

 

Die 33. Kalenderwoche 2018
          Passend zum Internationalen Linkshändertag am 13.08.2018 überraschte der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, D. Günther, mit der Bemerkung, dass er sich unter bestimmten Bedingungen eine Koalition mit der Partei Die Linke für möglich vorstellen kann.
           Während Deutschlands Flüsse unter einer verheerenden Wasserknappheit leiden und mancherorts sogar der Schiffsverkehr eingestellt wurde, heuerte jetzt ein neuer Käpt‘n Iglo an. Der neue Kapitän, der seine Fischstäbchen mit typisch norddeutschem Charme an die großen und kleinen Kinder bringt, heißt Riccardo Accerbi und kommt aus Italien.

           Kurz bevor die schönste Jahreszeit beginnt, bewarb die ‚Keramikscheune Spickendorf‘ mit einer großen Zeitungsanzeige mit der Eröffnung vom Weihnachtsland. Für den 18. und 19.08.2018 luden die netten Weihnachtsengel in Sachsen-Anhalt zu Glühwein und Plätzchen ein. Für üppige Weihnachtsdekoration und formvollendete Schwibbögen mit LED-Beleuchtung sei, hieß es, reichlich gesorgt.
           Der Verfassungsschutz-Chef H.-G. Maaßen traf sich in der Vergangenheit hin und wieder mit Politikern der AfD. Über mögliche Gründe der Treffen besteht weiterhin Unklarheit. Mal hieß es, Maaßen gab Empfehlungen ab, wie man eine Partei aufstellt, dass sie nicht vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Andere Stimmen meinten gehört zu haben, dass es bei den Terminen um die Gründung einer neuen Sammlungsbewegung ging. In deutlicher Abgrenzung zu der linken Bewegung aufstehen.de favorisiere man den Titel sitzenbleiben.de.

           Das Wort Spurwechsel tauchte wiederholt in den politischen Debatten auf. Der bereits erwähnte D. Günther schlug vor, abgelehnten Asylbewerbern eine Chance auf Bleiberecht zu geben, wenn sie einer Arbeit nachgehen. Wir werden aufmerksam verfolgen, ob der Begriff verkehrsbedingt das Sommerloch übersteht.
           Bundeskanzlerin Merkel besuchte Sachsen. Fernab ihres Wahlkreises, der bekanntlich im Norden der Republik liegt, suchte Merkel das Gespräch mit besorgten Arbeitern einen Maschinenfabrik. Einige von denen wussten im Vorfeld, dass Frau Merkel ihr Buch ‚Ich bin dann weg‘ vorstellen wird. Die Gespräche wurden als gut und offen beschrieben. Allein die Erwartung der Buchpräsentation erfüllte sich nicht. Sie schreibe keine Bücher, erklärte die Bundeskanzlerin.
18.08.2018, 18:23 Uhr


Die 32. Kalenderwoche 2018
           Jan Ullrich hatte Zoff mit dem heimlichen Oscaranwärter Til Schweiger. Natürlich ging es um die Besetzung von Schweigers neuem Film. Ullrich wollte in dem US-Remake von ‚Honig im Kopf‘ den Honig spielen.
          
           In der CDU kam der Ruf nach der Wiedereinführung der Wehrpflicht auf. K.-T. zu Guttenberg, Verteidigungsminister a.D., ließ wissen, dass er hierfür nicht zur Verfügung steht. Er arbeite, hieß es weiter, an seiner zweiten Promotion.
           Der Frankfurter Flughafen wurde zeitweise gesperrt. Die Kontrolle einer Frau auf Sprengstoff war positiv, trotzdem durfte die Frau in den Sicherheitsbereich. Der zuständige Beamte versuchte den Vorfall zu erklären. Die Frau habe ihm deutlich zu verstehen gegeben, dass es im Zuge der anhaltenden MeToo-Debatte nicht mehr zeitgemäß sei, wenn er sie kontrollieren wollte.

           Dagegen legten die Mitarbeiter vom Billigflieger Ryanair für vierundzwanzig Stunden die Arbeit nieder. Hatten sich die Piloten inzwischen an die schlechte Bezahlung und an die miesen Verträge gewöhnt, sollten sie jetzt auch noch für jeden Flug, den sie verantworten, einen finanziellen Eigenbeitrag leisten.
           Endlich startete S. Wagenknechts Sammlungsbewegung. Mit dem Namen aufstehen.de spricht die Politikerin vor allem jene an, die sich und der Familie zum letzten Jahreswechsel mehr Bewegung geschworen hatten – und noch immer auf dem Sofa sitzen.

           Nach dem sich der Spruch „Merkel muss weg!“ zum gängigen Gruß besorgten Bürger etablierte, schimpften diese nun über die führungslose Bundesregierung. Kaum verbringt die Bundeskanzlerin ihren Jahresurlaub und ist sprichwörtlich weg, ist das auch nicht richtig.
           Während der Regen weiterhin ausblieb und die Landwirte forderten, dass man ihre üppig subventionierte Arbeit finanziell unterstützen sollte, regnete es bei der Leichtathletik EM für die deutschen Sportler Medaillen.
11.08.2018, 17:40 Uhr


Die 31. Kalenderwoche 2018
           Sami A., der ehemalige Leibwächter von Bin Laden, wartet noch immer in seiner Heimat auf eine Fahrkarte nach Deutschland. Hier will er mit dem Startkapital von 10.000 Euro, welches von seiner deutschen Anwältin inzwischen beantragt wurde, einen Sicherheitsdienst gründen.

           Politiker aller Parteien nutzten die bundestagsfreien Tage, um durch das Land zu fahren. Bei ihren Treffen mit den Bürgern der Republik wollen die Volksvertreter vor allem zuhören. Die Seminare, die sie im Vorfeld zum Thema ‚Wie höre ich einem Menschen zu, ohne dass ich etwas von seinem Gerede mitbekomme‘ besucht hatten, waren komplett ausgebucht.
           Derweil versprach Bundeslandwirtschaftsministerin J. Klöckner den vom Wetter gebeutelten Viehhaltern, sie werde sie „nicht im Regen stehen lassen“, was bei den einen oder anderen Landwirt zur leichten Verwunderung führte, ist es doch gerade das fehlende Nass, was ihre Lage so erschwert.

            Eine deutsche Zeitung kündigte den Besuch des türkischen Präsidenten an. Kaum war die Ankündigung publik, gab es erste Wortmeldungen, die den Präsidenten freundlich darauf hinweisen, dass sein Lieblingsfußballer M. Özil nicht mehr bei Werder Bremen, sondern bei Arsenal London kickt.

           In Bayern öffneten die ersten ANKER-Zentren. Diese Einrichtungen, die von vielen bereits lange erwartet wurden, sollen zukünftig Politiker der CSU durchlaufen, damit ihre zügige Abschiebung oder – in selteneren Fällen – ihr dauerhafter Verbleib in Deutschland überprüft werden kann.

          
P. Scholze, ein 30-jähriger Professor der Mathematik, wurde am letzten Mittwoch mit der Fields-Medaille geehrt. Auf die Bitte, den Gästen kurz seinen Schwerpunkt der ‚perfektoiden Räume‘ zu erläutern, ging der junge Mann zügig ein. (Wie zu Redaktionsschluss dieser Rückschau bekannt wurde hält die Rede noch an.)
04.08.2018, 14:42 Uhr


Die 30. Kalenderwoche 2018
            Es war warm. Jean-Claude und Donald herzten sich. Es wurde noch wärmer. Donald schenkte seinem neuen Freund Jean-Claude eine Packung Soja. Da wurde es gleich noch viel wärmer. Mit der Packung Soja in der Hand umarmte Jean-Claude sämtliche Kameras und hauchte: „Was der Macron und was die Merkel nicht auf die Reihe gekriegt haben, bitte Kinder, ich hab‘s geschafft. Ich habe den Handelskrieg besiegt.“

            Der katalanische Ex-Präsident Puigdemont verließ, wie vorher angekündigt, Deutschland, um nach Belgien zu gehen. Unbestätigten Angaben zufolge will er dort einen Friseur aufsuchen und an der flämisch-wallonischen Universität eine Professor für allgemeine Spaltungstheorie der Neuzeit annehmen.           

            In Bayreuth trafen sich erneut viele Menschen, um in einem gut beheizten Konzertsaal jener Musik zu lauschen, die sie schon letztes Jahr an gleicher Stelle gehört haben. Ausgenommen vielleicht die Partnerin vom FDP-Vorsitzenden Patrick Lindner, für Franca Lehfeldt war der Trubel auf dem Hügel neu. Letztes Jahr hatte den Es-ist-besser-nicht-zu regieren-als-schlecht-zu-regieren-Politiker noch seine Frau Dagmar Rosenfeld angezogen, sprich bekleidet
.           
            Der Mond lockte all jene, die wegen der Hitze ohnehin nicht schlafen konnten, an die Fenster oder in die Parks. Im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses stand eine über das Land einbrechende Finsternis, die weder von einem Masterplan oder einem flugs in Manching eröffneten Asyl-Landesamt gestoppt werden konnte. Natürlich lernten sich bei dem kollektiven Schauen Menschen kennen, nahmen sie doch nach Jahren der stoischen Versenkung den Blick von ihrem Smartphone. Einige der Nachtschwärmer verabredeten sich dann, natürlich tippend, auch gleich für die nächste Mondfinsternis.

28.07.2018