flaschenpost-leipzig
Volkmar Wirth (ehemals Wirth-Kresse)

 

 

In den Tiefen des Alltags


Zurück zur Übersicht

11.07.2021

UNVERSTANDEN

Auch ich hatte mir während des Lockdowns meine T-Shirts und Hosen im Internet gekauft. Jetzt, da die Läden wieder offen sind, bin ich los, um mir ein neues Hemd zu besorgen.
Als ich das Geschäft betrat, fielen mir die vielen Sachen auf, die dort auf den Bügeln hingen. Sicher alles Klamotten, die die Kunden verloren oder vergessen hatten. Doch einen Computer, an dem ich mir mein Hemd aussuchen und bestellen konnte, entdeckte ich nicht. Versteckt hinter einer Theke stand ein PC, den belagerte aber eine junge Frau. Und die schien den Platz bis zur vierten oder fünften Welle auch nicht räumen zu wollen.
„Kann ich eben mal an den Bildschirm“, fragte ich, als es mir zu dumm wurde.
„Wie bitte?“, fragte die Frau leicht verstört.
„Ich will kurz an den PC“, präzisierte ich meinen Wunsch, „um mir ein Hemd zu bestellen. Das geht schnell.“
Der Blick der jungen Frau hätte mich warnen müssen. Trotz der sommerlichen Temperaturen war der so was von eisig, als wollte er den Klimawandel beweisen. Ich dagegen spürte zwei kräftige Hände, die mich von hinten packten und nach draußen beförderten.
Verstanden habe ich das nicht. Was hatte ich falsch gemacht? Hatte ich die junge Frau auf den falschen Fuß erwischt?
Was soll’s. Noch am selben Abend habe ich mir an meinem heimischen PC das Hemd gekauft. Wenn man mich schon nicht im Laden an den Computer lässt.



Zurück zur Übersicht